Chronik
des Jahres 1954
Januar
• In Duisburg werden die ersten Parkuhren der Bundesrepublik
aufgestellt.
• Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) mit Sitz in Köln geht
erstmals auf Sendung.
• Die Kunstbibliothek der ehemals staatlichen Museen Berlins
wird nach Rückerstattung durch die westlichen Alliierten in
West-Berlin wiedereröffnet.
• Außenminister-Konferenz der Vier Mächte verhandelt
in Berlin über die Wiedervereinigung Deutschlands, doch ohne
Erfolg.
• Der ADAC (Allgemeine Deutschen Automobil Club) setzt sein
erstes Fahrzeug für die Pannen-Sofort-Hilfe in Deutschland
ein.
Februar •
Der Maler Max Liebermann eröffnet in Hannover erstmals seit
1927 eine umfassende Ausstellung seiner Werke.
• Uraufführung des Films "Die letzte Brücke"
von Helmut Käutner (1908-1980).
• Der Bundestag beschließt die erste Wehrergänzung
zum Grundgesetz. Dieses erste Wehrverfassungsgesetz regelt die Zuständigkeit
des Bundes in Verteidigungs-, Wehrpflicht- und Zivilschutzangelegenheiten
und gibt damit dem Bund das Recht zur Gesetzgebung über die
Verteidigung einschließlich der Einführung einer allgemeinen
Wehrpflicht.
März •
Uraufführung der Zwölftonoper "Moses und Aron"
von Arnold Schönberg in Hamburg.
• Bayern beschließt als letztes Bundesland das Ende
der Entnazifizierung.
• Die Sowjetunion erkennt die Souveränität der DDR
an.
• Die DDR beginnt in Aue mit dem Bau des ersten Atomkraftwerkes.
April •
In Ludwigshafen gewinnt der VfB Stuttgart das deutsche Pokalendspiel
gegen den 1. FC Köln.
• In Genf tagt die Fernost-Konferenz über die Korea-Frage
und die Beendigung des Indochina-Krieges.
• Mit der Konstituierung des Vereins "Abendländische
Kunst des 20. Jahrhunderts" wird der Grundstein für die
"documenta" gelegt, die sich als feste Institution innerhalb
der Kunstszene und Forum für neue Kunstformen etabliert und
alle vier bis fünf Jahre 100 Tage lang Schlüsselwerke
der internationalen Moderne präsentiert.
Mai •
Die letzte Bastion Frankreichs in Indochina (Dien-Bien-Phu) fällt.
Am 21. Juli endet die französische Kolonialherrschaft in Indochina.
• Als Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege
wird in Köln das Mahnmal der "Trauernden Eltern"
nach Entwürfen von Käthe Kollwitz aufgestellt.
Juni •
Einrichtung einer Bundesprüfstelle zur Beachtung des Gesetzes
über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften.
• Konstituierung des Kuratoriums "Unteilbares Deutschland,
Volksbewegung für die Wiedervereinigung" aus 128 führenden
Vertretern aller Gebiete des öffentlichen Lebens.
• Erstmals wird in der Bundesrepublik Deutschland der "Tag
der deutschen Einheit" als gesetzlicher Feiertag begangen.
Juli
• Mit einem 3:2 Sieg über Ungarn wird die Bundesrepublik
in Bern Fußballweltmeister.
• In Leipzig findet zum ersten Mal der Evangelische Kirchentag
statt.
• Theodor Heuss wird in West-Berlin erneut zum Bundespräsidenten
gewählt.
August •
Uraufführung der Oper "Penelope" von Rolf Liebermann
(1910-1999) in Salzburg.
• Wiedereröffnung des Goethe-Museums in Frankfurt/Main.
• Gründung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft
scheitert an der französischen Nationalversammlung.
September •
Auf der Londoner Neunmächte-Konferenz wird die Aufnahme der
Bundesrepublik Deutschland und Italiens in den Fünfmächtepakt
(Brüsseler-Vertrag vom 17. März 1948) und in die NATO
empfohlen.
• Als erste deutsche Familienserie im Fernsehen geht "Unsere
Nachbarn heute abend: Familie Schölermann" auf Sendung.
Oktober •
Neuausgabe der satirischen Zeitschrift Simplicissimus, die 1944
ihr Erscheinen eingestellt hatte.
• Deutsche Erstaufführung des Theaterstücks "Der
kaukasische Kreidekreis" von Bertolt Brecht in Ost-Berlin.
• Auf der Viermächtekonferenz der drei Westmächte
mit der Bundesrepublik werden der Deutschlandvertrag neu gefaßt,
die Beendigung des Besatzungsregimes geregelt und Sicherheitsgarantien
für West-Berlin bekräftigt.
• Die 15-Mächte-Konferenz lädt die Bundesrepublik
zum Eintritt in die NATO ein und erkennt ihren Alleinvertretungsanspruch
an.
• In der Zwei-Mächte-Konferenz zwischen Frankreich und
der Bundesrepublik wird das Saarstatut unterzeichnet, das für
das Saarland politische Autonomie bei wirtschaftlicher Bindung an
Frankreich vorsieht.
November •
Offizieller Beginn des ARD-Gemeinschaftsprogramms.
• Ausbruch des Algerienkrieges im französischen Überseegebiet
Algerien, der 1962 mit der Anerkennung der Unabhängigkeit Algeriens
endet.
• Gründung der Deutschen Hochschule für Film in
Potsdam-Babelsberg.
• Kindergeldgesetz über Gewährung von Kindergeld
und Errichtung von Familienausgleichskassen in der Bundesrepublik.
• Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker Wilhelm Furtwängler
stirbt in Baden-Baden. Sein Nachfolger wird Herbert von Karajan
(1908-1989).
Dezember •
Verleihung der Nobelpreise: Max Born und Walther Bothe (1891-1957)
erhalten den Nobelpreis für Physik. Ernest Hemingway erhält
den Literaturnobelpreis.
• Der Rechtsausschuß des Bundestages lehnt es ab, unverheirateten
Frauen die Anrede "Frau" für den Umgang mit Behörden
zuzugestehen. Damit bleibt die Bezeichnung "Fräulein"
im amtlichen Sprachgebrauch gültig.
• Auf der Konferenz der Vertreter der DDR, Polens und der
Tschechoslowakei in Prag wird der gemeinsame Schutz der Unantastbarkeit
der Grenzen der drei Staaten beschlossen.
Außerdem:
• Heinrich Böll veröffentlicht seinen Roman "Haus
ohne Hüter"
• Bill Haley und seine Band The Comets nehmen das Lied "Rock
Around The Clock" auf, mit dem u.a. die neue Musikrichtung
"Rock'n Roll" begründet wird. Mit 25 Millionen verkauften
Exemplaren ist "Rock around the clock" die bislang meistverkaufteste
Schallplatte.
• Wolfgang Koeppen: "Tod in Rom" (Roman)
• Thomas Mann: "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"
(Roman)
• In den USA erfinden Wissenschaftler die Silicium-Solarzelle
zur direkten Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom.
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