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Auf diesen Seiten haben wir einige zusätzliche Extras aus unserem Recherchematerial, sowie weitere Hintergrundinformationen zum Thema zusammengestellt.

Hier ein Überblick über die Themen:

Zitate und Notizen Herbergers:

Auswahl, oder wie die eine, die beste Mannschaft finden?

Im Vorfeld der WM - schwierige Entscheidungen

"Haben Sie an die Erringung des Weltmeistertitels geglaubt?"

Motivationsschreiben an die Spieler im Vorfeld

Wie ist Herberger mit der Kritik während der WM umgegangen?

Weisheiten und Sprüche



Die Anfänge: Der Spieler Sepp Herberger

Die Sterne: Herbergers Anlagen aus astrologischer Sicht

Die Berufsspieler-Affäre

Otto Nerz

Herberger und die WM 1954 unter Doping-Verdacht

Herberger, der Übervater

Auswahl, oder wie die eine, die beste Mannschaft finden?

In unserer Mannschaft galt immer als oberstes Ziel unseres Strebens die geschlossene Mannschaftsleistung. Im Rahmen dieser Mannschaftsleistung hatte dann jeder einzelne die Freiheit und das Recht, mit seinen spielerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprechend aufzutrumpfen. Nach diesem Konzept suchte ich unsere Leute. Eine alte Fußballweisheit hat unzählige Beispiele zur Hand, um zu beweisen, dass aus einer Reihe der Besten selten oder gar nie ein gutes Ensemble wird. Ausschlaggebend für ein gutes Beginnen, einen schnellen, dauerhaften Erfolg, ist eine Auswahl und Zusammenstellung von Spielern, die entweder von gleicher oder ähnlicher Art sind oder sich gegenseitig ergänzen, kurz und gut, eben zueinander passen.

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Im Vorfeld der WM - Schwierige Entscheidungen:

Man traute unserer Mannschaft in jenen Tagen im Hinblick auf die kommenden Ereignisse der WM nicht allzu viel zu. Entsprechend der Einschätzung waren auch die Prognosen. Hinweise, Denken und Ermahnungen, sachlich mehr oder weniger zu begründende, sicherlich aber immer gut gemeinte Vorschläge häuften sich auf meinem Schreibtisch. Meist drehte sich alles um das eine Thema: die beste Mannschaft in der besten Aufstellung... Auf einen Nenner gebracht, fanden sich alle Vorstellungen, Wünsche und Forderungen in den Fragen: „Warum nicht dieser an der Stelle von jenem, und warum gerade dieser und jener wiederum nicht?“

Ich war auf jeden Fall [...] immer glücklich und höchstzufrieden, wenn ich einen Spielerkreis von 15-16 Mann um mich hatte, jeder einzelne zum Zeitpunkt der fälligen Aufgaben top-fit und alle zu einer spielstarken Mannschaft zusammengewachsen.

Wir hatten damals diese Mannschaft!

Fritz Walter war ihr Spielführer und Spielmacher, Dreh- und Angelpunkt allen Geschehens. Über die einmalige Größe dieser Erscheinung ist schon alles gesagt worden. So, wie schon Fritz Ceppan vor ihm, war jetzt Fritz der ungekrönte König seiner Generation. Mit ihm und um ihn entstand unsere Mannschaft, entwickelte sich unser Spiel.

Albert Pfaff, in vielem mit Fritz Walter verwandt, war er von vornherein mein Mann. Ausgezeichnet mit hoher Spielkunst, guter Spielübersicht, wendig und hurtig am Platz und im Antritt, war er in seinem Verein eine überragende Spielerpersönlichkeit...

Zwei erstklassige Spieler sind aber noch lange nicht auch ein erstklassiges Paar...

So konnte ich mich nicht dazu durchringen, Fritz und Alfredo nebeneinander zu stellen. So kam es, dass Alfredo Pfaff, auch ein erstklassiger Mann, im zweiten Glied stand, hinter Fritz Walter. Wäre Fritz nicht gewesen, hätte an seiner Stelle Alfred Pfaff eine führende Rolle gespielt...

Im Zuge der Vorbereitung auf die WM musste rechtzeitig an alle Fälle gedacht und vorgesorgt werden. Bei einem Ausfall von Fritz wäre Alfred an dessen Stelle getreten.

Die Position des Halbrechten [...] war mit Max Morlock in Beschlag gelegt... Technisch auf das Beste gerüstet, von dynamischer Kraft, ein unverdrossener Kämpfer, war er so recht das Gegenstück von Fritz (und Alfredo) und die allerbeste Ergänzung zu diesen beiden. Ihn konnte so schnell nichts aus der Ruhe bringen...“Wenn’s schwer fällt, dann erst recht!“ war seine Parole. Solche Kämpfernaturen braucht unser Spiel. Ein Leitsatz aus der Wettkampferfahrung lehrt uns, dass im Wettkampf der Besten nur der zum Spiele kommt, der kämpfen will und kämpfen kann. Max war so einer!

...Seine persönliche Ausstrahlung, seine Unverdrossenheit, seine Tatkraft, sein Elan belebten auf seine Art unser Spiel, trieb alle an, riss jeden mit...Fritz und Max waren ein bestens aufeinander eingestimmtes, großartig harmonisierendes Mittelfeldgespann, zu dem sich Fritz gegebenenfalls noch Horst Eckel als Dritten im Bunde heranholt und einsetzt.

Unsere Aussenspieler: Eine scharfe Rivalität gab es in der Frage der Besetzung der Aussenstürmerposten. Mit Richard Hermann, Berni Kloth, Helmuth Rahn, alle drei beidfüssig stark und auf beiden Flügeln zu Dutzenden von Malen erfolgreich bewährt, enthoben sie mich von vornherein aller Sorgen um die Besetzung der Flügel...

Helmuth Rahn – was über ihn gesagt wird, gilt in gewissem Maße auch von Hans Schäfer, seinem Kontrahenten auf der gegenüberliegenden Seite – war ein Individualist, ein Original von unerreichter Art. Am Anfang unserer Bekanntschaft habe ich geglaubt und gemeint, ihn auf die Männer in einer Umgebung und das Mannschaftsspiel umstellen zu müssen. An Versuchen hierzu hat es wahrhaftig nicht gefehlt. Schon sehr bald musste ich einsehen, dass aus Helmuth Rahn kein Mannschaftsspieler zu machen war. Seine Mentalität, sein Temperament und sein energiegeladener Tatendrang bestimmten seine Entschlüsse und drängten und trieben ihn auf ureigene Bahnen. Einmal am Ball sah er nur ein Ziel: das gegnerische Tor und der kürzeste Weg dorthin. Was dann folgte, wissen alle... Helmut war kein Mannschaftsspieler, aber er hat auf seine Art das Spiel oft maßgebend und entscheidend bestimmt... Helmut Rahn war einer der Grössten unserer Nationalmannschaft aller Zeiten.

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"Haben Sie an die Erringung des Weltmeistertitels geglaubt?"

Später, als alles vorbei war, und wir Weltmeister geworden waren, wurde mir oft die Frage gestellt, ob ich an die Erringung der Weltmeisterschaft geglaubt hätte. Wenn mein Glaube an große Sprünge bei der WM sich über die Bewusstseinsschwelle drängen wollte, wurde er von vernünftigen Abwägungen und Überlegungen schnell an die Kette gelegt.

Aber wir waren Aussenseiter, eine Rolle, in die wir uns zu Unrecht versetzt sahen. Welch ein glücklicher Umstand, denn die Aussenseiterrolle ist ein Schlüssel für die Schatzkammer unmessbarer Kräfte, die geweckt und angeschürt Kräfte und Gewalten freimacht, die helfen, Berge zu versetzen. Wir wussten sie zum gegebenen Zeitpunkt anzuheizen und zu nutzen. So führte unsere Mannschaft, als sie zu den Spielen in die Schweiz zog, in ihrem Gepäck nicht nur alle naheliegenden und verständlichen Wünsche, sondern auch berechtigte Hoffnungen mit sich. Zwar waren sie alle wohlverstaut und den Blicken Fremder entzogen, aber sie waren dabei, und sie waren berechtigt dabei. Wir waren nämlich alle auf die anstehenden Aufgaben auf das allerbeste vorbereitet.

Wenn vorstehend von unserem GLAUBEN, HOFFEN und WÜNSCHEN gesprochen wurde, so soll jetzt von unserem WOLLEN die Rede sein,

Und zu diesem Thema kann ich gleich mit ganz konkreten und präzisen Angaben auftischen: Wir wollten — und das mit allen Kräften — unter den Siegern im Achtelfinale und damit unter den letzten Acht des Turniers sein...


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Motivationsschreiben an die Spieler im Vorfeld

An Ottmar Walter: "...Denken Sie daran, dass es gilt, zum Sommer in Höchstform zu sein. Sie wissen Bescheid!“

An Hans Schäfer: "Sie wissen, dass Sie zum Stamm unserer Mannschaft zählen. Daran ändern auch gelegentlich Formschwankungen nicht, vor der im übrigen keiner verschont bleibt. Ich rechne stark mit Ihnen, Hans...!"

An Fritz Walter: "...Wenn Sie weiterhin so trainieren und so leben wie bisher und wenn Sie vor allen Dingen an sich glauben, dann, Fritz, gibt es keinen auf der weiten Fußballwelt, der Ihnen das Wasser reichen kann.“

An Toni Turek: "Es geht bei Ihnen um die Erhaltung der besten Kondition und auch darum, zum richtigen Zeitpunkt in bester Spielform zu sein.“

An Horst Eckel: "Die Klasse einer Mannschaft hängt im hohem Maße von der Fähigkeit der Aussenläufer ab, zu decken, zu zerstören und aufzubauen. [...] Also Horst, üben und wiederum üben macht den Meister!“

An Josef Posipal: “Jupp, Ihnen brauche ich keinen Zusatz zu machen, wie ich es bei einigen unserer Spieler tat. Sie wissen, was Sie zu tun und zu lassen haben, um in beste Form zu kommen und zu bleiben, so wie ich von Ihnen weiss, dass ich mich auf Sie verlassen kann.“

An Helmut Rahn: “Helmut, Dribbeln und Alleingänge sind hervorragende Mittel eines erfolgreichen Angriffsspiels. Aber ebenso, oder oft noch höher steht das Zusammenspiel im Kurs. Denken Sie daran und üben Sie sich darin. Dann sind Sie mein Mann und auf dem besten Wege ein Spieler von grosser Klasse zu werden! Helmut, also, schau Dich um, spiele ab und lauf Dich frei!“


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Wie ist Herberger mit der Kritik während der WM umgegangen?

Während der WM hagelte es Kritik, vor allen Dingen nach der kalkulierten Niederlage gegen Ungarn. Wer denkt, der Ton wäre damals ein anderer gewesen als heute, täuscht sich gewaltig.

"Herberger! Sie sind ein Lump und ein Betrüger. Sie gehören hinter Schwedische Gardinen!" war noch einer der harmlosesten Briefe. Ihm wurde geraten, er solle sich selber aufhängen. Er wurde als Idiot beschimpft, der besser verschwinden solle.

Herberger: Ich möchte wiederum mit keinem tauschen. Ist es nicht das größte Glück, das ein Mensch auf der Erde finden kann, einer Mannschaft vorzustehen, die sich einer Sache so mit Herz und Verstand verschrieben hat, die an einen unverzagt glaubt und die zusammen durch dick und dünn geht, in der jeder stolz darauf ist, der Mannschaft anzugehören, in der jeder unablässig an sich arbeitet, um sein Können zu verbessern und seine Leistung zu steigern, jeder dem Ganzen dient...?

"Möchten Sie selbst in Herbergers Haut stecken?", wurde kürzlich wieder einmal gefragt. Ich möchte mit keinem tauschen! Es gibt keine schönere Aufgabe und kein größeres Glück!


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Weisheiten und Sprüche :

Antwort auf diverse Verbesserungsvorschläge: „Ich weiß, dass es in Deutschland Hunderttausende von Bundestrainern gibt, aber ich stehe als einziger auf der Gehaltsliste des DFB.“

Frage: "Was hat Ihnen am besten am Spiel gefallen?"
Anwort Herberger: "Vor allem das Ergebnis."

"Es gibt nur eine Nationalhymne, die zweimal gespielt wird. Sorgt dafür, dass es unsere ist."

Und nicht vergessen:

„Der Ball hat immer die beste Kondition.“

„Das nächste Spiel ist immer das Schwerste.“

„Das Spiel dauert 90 Minuten.“

"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel."

"Der Ball ist rund."


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Die Anfänge: Der Spieler Sepp Herberger

Am 28.03.1897 kommt der kleine Sepp Herberger um 9:45 Uhr in der Mannheimer „Spiegelsiedlung“ als Nachzügler zur Welt. Seine Zukunft scheint unter keinem guten Stern zu stehen: Als Kind wird er zwar von seinen wesentlich älteren Schwestern verwöhnt und auch sein Vater ist ihm sehr zugetan, doch die Arbeiterfamilie gehört zu den Ärmsten.
So sieht es für seinen großen Traum, dem Fußballspielen, zunächst schlecht aus. Noch dazu wird das Kicken, das zu diesem Zeitpunkt ausschließlich der reichen Bürgerschicht vorbehalten ist, von vielen als „neumodische Engländerei“ (der seltsame neue Sport kam aus England) abgelehnt oder gar als kriminelle Brutstätte kritisch beäugt.
Erst 1907 wird das Verbot, an Schulen Fußball zu spielen, aufgehoben. Doch der kleine Seppl, wie er von allen genannt wird, kann, wie so viele Kinder nach ihm, dem Kicken einfach nicht widerstehen. Enorm einfallsreich findet er trotz des Verbots seiner Eltern, Mittel und Wege, es doch zu tun. Deshalb musste auch das erste Kapitel unseres Buches davon handeln. Für uns ist seine ursprüngliche Begeisterung für das Kicken, die tiefe Freude dabei und die Fähigkeit, schon früh alle Hindernisse zu überwinden, die Triebfeder seines Erfolges.

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Die Sterne: Herbergers Anlagen aus astrologischer Sicht

Ein kurzer Blick in die Sterne attestiert dem kleinen, durchsetzungsfähigen Widder

1) Als Grundanlage: Intelligenz, Ideenreichtum und rhetorische Begabungen.
2) Dynamik, Aggression, Kraft, Ehrgeiz und Vorliebe für Sport.
3) Spürsinn und Gefühl, Neigung zur Anlage eiserner Reserven.
4) Fähigkeit zu harter Arbeit, Geschick und Tüchtigkeit.
6) Ungewöhnliche Arbeitsmethoden, technischer Einfallsreichtum und Freiheitsdrang.
7) Eine glückliche Hand bei der Partnerwahl.
8) Organisationstalent, strategische Berufsplanung und politischen Scharfsinn.

So scheint es kein Wunder zu sein, dass ihn nichts aufhalten kann. Schon Anfang der zwanziger Jahre kann Herberger als Teil des damals legendären „Drei-H-Sturmes“, bestehend aus Herberger, Höger und Hutter, für den SV Waldhof erste Erfolge verbuchen. Die drei Spieler prägen mit ihrem brillianten Kombinationsspiel den Begriff „Waldhof-Schule“.

Ausschnitt aus einem Zeitungsartikel von 1920:

"Sportverein 1907 Waldhof – V.f.B. Heidelberg 9:1
Ein schönes Verbandsspiel lieferten sich obige Gegner auf dem Waldhofplatz, fair vom Anfang bis zum Schluss, das von einer stattlichen Zuschauermenge mit Verständnis und Spannung verfolgt wurde. Waldhof zeigt durchwegs große Überlegenheit, was auch durch das Torverhältnis zum Ausdruck kam.
Nur der aufopfernden Verteidigung Heidelbergs ist es zu verdanken, dass sich die Torzahl nicht noch erhöhte. (...)
Nach dem Anspiel Waldhofes erzielt Heidelberg den ersten Eckball, der jedoch nichts einbrachte. Zunächst bleibt das Spiel etwas offen. Nach dem Durchbruch setzt Hutter einen scharfen Schuss an die Latten. Der Nachschuss führt zum Treffer. In der 25. Minute ist es wiederum Hutter, welcher in schöner Einzelleistung durch Überlaufen der Verteidigung Nr. 2 bucht. Heidelberg gibt sich alle Mühe, ein Gegentor zu buchen, doch die sicher arbeitende Verteidigung macht alles zunichte. Bei einem schön angeführten Angriff der Stürmerreihe kann Herberger einen seiner flachen Schüsse zum dritten Tor anbringen (...). Mit 4:0 für Waldhof geht es in die Pause..."


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Die Berufsspieler-Affäre:

Alle Zeichen scheinen auf Sieg zu stehen, doch dann wird Herberger in die „Berufsspieler-Affäre“ verwickelt: Er wechselt den Verein und nimmt dafür Geld. Was heute übliche Praxis ist, ist 1921 verboten - ihm droht eine mehrjährige Sperre. Zu den Hintergründen findet sich in seinen Unterlagen folgende Notiz:

"Wie ich zum Phönix-Mannheim kam:
Eines schönen Tages holte mich Karl Höger zusammen mit einem Herrn von der Arbeitsstelle ab. Er entpuppte sich als ein Mitglied von Mannheim Phönix. Es ging um meinen Übertritt zum Phönix. (...) Ich hatte keine Lust, ohne ernsten Grund meinen Verein zu verlassen, wo ich immerhin groß geworden und große Erfolge errungen hatte. Ich war Waldhöfer.
Ich nannte, was mich bewegen könnte, meinen Verein zu wechseln. Mit großer Beredsamkeit ging man auf meine Wünsche ein. Dazu noch ein Angebot von 10.000,- Mark, das mir schmeichelte. Dann folgten am Abend Besprechungen mit maßgebenden Herren, die hochangesehene Leute waren und die auch, wie es schien, nachweisbar grosse führende Positionen in der Wirtschaft inne hatten.
Was mir am Wichtigsten war: man gab an, gute Beziehungen zu Karlsruhe und der dortigen Hochschul Sportschule zu haben und war sicher, meine Wünsche in dieser Richtung zu erfüllen.
Die Ev, mein guter Geist. Als ich mit 10.000,- Mark nach Hause kam, war meine Frau keineswegs begeistert. Gewiss, wir waren jung verheiratet und solche Summen hätten wir recht gut gebrauchen können. Aber sie hatte Bedenken und mir war auf einmal nicht recht wohl in meiner Haut. Die mir gemachten Zusagen hinsichtlich meines beruflichen Weiterkommens schienen mir auf einmal auch nicht recht glaubhaft. Wer kann schon 10.000,-Mark nicht gebrauchen.
Das Ende vom Lied, das so verheißungsvoll begonnen hatte: Ich gab die Summe nach Tagen wieder zurück..."

Obwohl Herberger das Geld zurückgibt, hat das Ganze ein böses Nachspiel: Wegen Verstoßes gegen den “Amateur-Paragraphen“ wird ihm das „Recht als Amateur“ abgesprochen und eine einjährige Sperre verhängt. Seine große Hoffnung, ein „tüchtiger, gründlich ausgebildeter Fußballehrer“ zu werden, gibt er trotzdem nicht auf und wechselt letztendlich zum VfR Mannheim. Denn dort erwartete ihn ein ganz besonderer Trainer: Otto Nerz!


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Otto Nerz:

Herberger notiert: "Nerz kannte ich flüchtig. In einem Spiel Waldhof-VfR war er mein Gegenspieler gewesen. Er war von Beruf Schullehrer. Das hatte ich mir schon damals gemerkt, weil ich einen Mann sah, der mir vielleicht weiterhelfen könnte. Jetzt war er mein Trainer. Bald kannten wir uns gut und hatten engsten Kontakt zueinander. Für Nerz war die Tätigkeit als Fußballehrer auch Neuland. Wir waren beide Besessene.(...)"

An dieser Stelle kreuzen sich die Wege zweier Männer, die Fußballgeschichte schreiben sollen: Otto Nerz wird später der erste hauptverantwortliche DFB-Trainer, Sepp Herberger sein Schüler. Dank einer Ausnahmeregelung wird Sepp Herberger trotz Volksschulabschlusses 1927zum Studium an der "Deutschen Hochschule für Leibesübungen" in Berlin zugelassen und erhält als Jahrgangsbester nach sechs Semestern als Erster die August-Bier-Plakette.
Jetzt steht seinem Wunsch, selbst Trainer zu werden, nichts mehr im Weg. Mit Otto Nerz als Mentor wird er erst Verbands-Sportlehrer beim "Westdeutschen Spielverband" in Duisburg und arbeitet gleichzeitig als Nerz' Assistent.
Es ist Nerz zu verdanken, dass 1934 in Deutschland das damals neue WM-System eingeführt wurde und Deutschland gleich bei seiner ersten Teilnahme an einer Fußballweltmeisterschaft einen überraschenden dritten Platz belegt.

Herberger über Nerz:
„Ich konnte viel von ihm - den geschulten Lehrer - lernen; er auch von mir, und wollte dies auch, was mir bestätigte, dass ich vieles gut gemacht hatte. Er kam von der Kraft, ich vom Spiel zum Trainingsprogramm. Er hat mir manches Wissenswerte gegeben, er ging aber auch von mir aus nicht leer aus. Das gab er auch zu, was mir eine Bestätigung der Richtigkeit des von mir – ohne jede Hilfe – gefundenen und eingeschlagenen Weges war. Viel später sollte ich dann erkennen, dass man von Otto Nerz nicht nur viel lernte, wie man es machen könnte, aber ebenso, wie es falsch zu machen war...“

1936 löst Herberger Nerz als Reichstrainer ab.


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Herberger und die WM 1954 unter Doping-Verdacht:

Natürlich sind auch wir bei der Recherche auf die von Puskás nach der WM geäußerten Doping-Vorwürfe gestoßen. Und natürlich haben auch wir lange und ausgiebig diskutiert, für wie glaubwürdig wir diese Vorwürfe halten. Schließlich hing für uns davon ab, welche Geschichte wir erzählen.
Denn was da im Moment als größte Neuigkeit verkauft wird, hat so gar nichts Neues oder Aufsehenerregendes, ist vielmehr ein Abklatsch der Diskussion, die schon vor 50 Jahren stattgefunden hat. Und seitdem taucht das „Märchen vom Doping“ (Zeitungstitel von 1964) mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder auf, wenn an der WM 1954 etwas Reißerisches gefunden werden soll.

Aber zu den Tatsachen: Nach der WM erzählt Puskás gegenüber einer französischen Zeitung, was er in der deutschen Kabine beobachtet haben will und was für ihn, den Verlierer, erklärt, warum die deutschen Außenseiter überhaupt so weit kommen konnten. (Heute ist es der Platzwart, der damit sein Gewissen erleichtern will, wie er einem Redakteur der Bildzeitung verrät.)
In der Kabine der deutschen Spieler wurden leere Ampullen gefunden, die den Verdacht des Dopings nahelegten. Doch tatsächlich wurde während der WM vereinzelt nur Traubenzucker und Vitamine verabreicht, was vom DFB nie verheimlicht wurde und was damals auch völlig legitim war. Die ersten Doping-Regeln wurden erst 1967 aufgestellt.

Kurze Zeit nach der WM erkrankt ein Großteil der Helden von Bern an Gelbsucht und es werden Leberschäden diagnostiziert. Und schon branden die Wellen hoch. Was war die Ursache für diese Gelbsucht? Wie ist sie übertragen worden? Waren die Traubenzucker- oder Vitaminspritzen, die die Spieler zur Stärkung erhalten haben, nicht hinreichend steril? War in den Spritzen womöglich doch etwas anderes als Traubenzucker oder Vitamin C? Der behandelnde Arzt hatte nur 2 Spritzen zur Verfügung. Es erscheint nur logisch, darin und in der nicht ausreichenden Sterilisation die Ursache für die Übertragung zu suchen. Aber wie konnte das passieren?
Bis 1942 war das Hepatitisvirus noch gar nicht bekannt. Auch die Übertragungsmöglichkeit durch Einspritzungen war unbekannt.
Auf diese Art sind noch in den vierziger Jahren Tausende an Hepatitisfällen verursacht worden. Das Virus ist so widerstandsfähig, dass es ein Abkochen der Spritzen von wenigen Minuten (wie es während der WM geschehen ist) unbeschadet übersteht und die Spritzen damals z.B. bei 180° Trockenhitze hätten sterilisiert werden müssen. Auch waren die Helden gesundheitlich angeschlagen: Rahn hatte eine eitrige Mandelentzündung, Morlock eine fiebrige Erkältung, Fritz Walter hatte sich vor Eintreten der Symptome die Mandeln entfernen lassen, mal ganz abgesehen von den physischen und psychischen Anstrengungen der WM und den körperlichen Schäden, die durch den Krieg verursacht wurden. Es erscheint heute seltsam, dass 1954 noch nicht überall bekannt gewesen sein soll, dass die Spritzen anders hätten desinfiziert werden müssen.
Genauso seltsam klingt aber heute die Anweisung an die Spieler, vor Spielen so wenig Flüssigkeit wie möglich aufzunehmen - aus heutiger Sicht kompletter Unsinn. Wenn man es so betrachtet, hat die ganze Geschichte wenig Mysteriöses. Sie ist vielmehr traurig oder tragisch. Genauso tragisch ist es, die Spieler immer wieder damit zu konfrontieren. Was soll damit erreicht werden? Wahrscheinlich geht es doch nur wieder darum, sie vorzuführen, zu Figuren in einer inszenierten Mediengeschichte zu machen, anstatt Respekt zu zollen und zu fragen, was sie uns zu sagen haben. Vermutlich ist das aber einfach „zu nett“.

Bis heute sind für den Doping-Verdacht keine stichhaltigen Beweis gefunden worden. Nach einem Jahr Recherche und Durchforsten sämtlicher Unterlagen im Archiv, inklusive Material zu den Gelbsuchtfällen, ist für uns ein Doping weder bewiesen noch glaubwürdig. Es passt weder zu dem Herberger-Bild, das sich für uns in der Recherche erschlossen hat, noch zu den Spielern. Aber wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Oder wie mir ein ebenfalls recherchierender Journalist mit einem Lächeln mitgeteilt hat: Diese Friede-Freude-Mythos-Sache, das sei doch eigentlich uninteressant. Das könne man nicht so stehen lassen. Man werde sich da schon was einfallen lassen. Und schon damals haben wir vermutet, dass das Doping-Märchen noch mal hervorgezerrt wird. Ein eigentlich ziemlich durchsichtiges Manöver. Es kann und darf so großartig einfach nicht gewesen sein.

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Herberger, der Übervater:

Der besondere Einfluss Herbergers auf seine Spieler wird oft mit seiner Autorität begründet. Seinen Anweisungen wurde blind Folge geleistet, ohne Diskussionen. Davon können vermutlich die Trainer heute nur wehmütig träumen. Er sei einfach ein "Feldwebel" gewesen oder, wie er selber lächelnd zugab, ein Tyrann, wenn auch ein sanfter. Doch der wirkliche Grund für den tiefen Respekt, den die Spieler ihm zollten, liegt für uns in ihrem Vertrauen zu ihm.
Herberger war über die Jahre hinweg, wie vermutlich kein anderer Trainer jemals vor oder nach seiner Zeit, für seine Spieler zugleich auch Vaterfigur. Er kümmerte sich nicht nur um die physische Konstitution der Spieler, sondern hatte auch für deren Sorgen, Ängste und Probleme stets ein offenes Ohr. Er wusste immer, wie es um jeden Einzelnen bestellt war, kannte deren Stärken und Schwächen, für die er, wenn es sein musste, mehr als nur einmal ein Auge zudrückte und gleichzeitig signalisierte, dass es bei diesem Fehltritt auch wirklich bleiben mußte.
Als 1939 der Krieg ausbrach, war Herberger ein nervliches Wrack. Für ihn zählte nur der Gedanke, wie er seine Männer schützen konnte, vor allem dann, als er hörte, dass Einzelne seiner Mannschaft an der Front bereits gefallen waren. Kurzerhand besorgte er sich alle nötigen Informationen über den Verbleib seiner Spieler, damit er mit ihnen in regelmäßigem Kontakt bleiben konnte. Er organisierte Lehrgänge, ließ seine Jungs sogar auf der Kinoleinwand im Film „das große Spiel“ mit Gustav Knuth und René Deltgen erscheinen, nur damit sie vor dem Einsatz an der Front verschont blieben. Aber es half nicht viel, mussten sie doch immer wieder zurück, um für Volk und Vaterland zu kämpfen, so, wie alle anderen auch.
Dann tat Herberger etwas, was ihn vermutlich ebenfalls von den heutigen Trainern unterscheidet: Um seine Spieler vom Fronteinsatz zu befreien, riskierte er einiges. Er erfand für seine Spieler einfach Verdienstorden und holte sie damit von der Front zurück. (In Kriegszeiten konnten Sportler durchaus für Wettkämpfe vom Fronteinsatz befreit werden, allerdings nur, wenn sie sich besonders verdient gemacht hatten, was sich durch verliehene Orden bemerkbar gemacht hatte.) Wäre der Schwindel aufgeflogen, hätte es drastische Folgen für Herberger persönlich haben können. Doch der Coup gelang. Nach und nach trudelte die ganze Mannschaft ein.

Der nachfolgende Brief steht stellvertretend für einen ganzen Ordner voller "Betreuungspost", die sich in seinem Nachlass befindet:

Ein Brief an Andreas Kupfer (3. Juli 1944):
"Lieber Anderl, heute früh erhielt ich Ihren schon so lange Zeit erwarteten Brief. Ich habe Ihnen in letzter Zeit mehrere Briefe geschrieben, jedoch ohne Antwort von Ihnen zu bekommen. War es ein Wunder, dass ich mir Sorgen um Sie machte? Ich hatte gehofft, Dass Sie nach Ihrer Verwundung längere Zeit in Deutschland bleiben würden und für diesen Fall auch schon die Fühler ausgestreckt, um für Sie einen längeren Aufenthalt in der Heimat zu erreichen. Wo stecken Sie denn? Lagen Sie in einem Lazarett? Welcher Art war denn Ihre Verwundung? Schreiben Sie mir doch einmal über alle diese Fragen.
Ich freue mich, dass Sie Gelegenheit haben, sich fußballerisch zu betätigen. Halten Sie sich nur in Schwung, Anderl, eines schönen Tages werden wir doch wieder aufgerufen und dass ich dann an Sie zuerst denken werde, brauche ich Ihnen nicht noch extra zu sagen.
[...] Also Anderl, ich warte auf Ihren Brief. Lassen Sie es sich gut gehen, soweit dies unter den gegebenen Umständen und Verhältnissen überhaupt möglich ist. [...]

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