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Auf diesen Seiten haben wir einige zusätzliche
Extras aus unserem Recherchematerial, sowie weitere Hintergrundinformationen
zum Thema zusammengestellt.
Hier ein Überblick über die Themen:
Zitate und Notizen Herbergers:
Auswahl, oder wie die eine,
die beste Mannschaft finden?
Im Vorfeld der WM - schwierige
Entscheidungen
"Haben
Sie an die Erringung des Weltmeistertitels geglaubt?"
Motivationsschreiben an
die Spieler im Vorfeld
Wie
ist Herberger mit der Kritik während der WM umgegangen?
Weisheiten
und Sprüche
Die Anfänge: Der Spieler Sepp
Herberger
Die Sterne: Herbergers Anlagen
aus astrologischer Sicht
Die Berufsspieler-Affäre
Otto Nerz
Herberger und die WM 1954 unter
Doping-Verdacht
Herberger,
der Übervater
Auswahl,
oder wie die eine, die beste Mannschaft finden?
In
unserer Mannschaft galt immer als oberstes Ziel unseres
Strebens die geschlossene Mannschaftsleistung. Im Rahmen
dieser Mannschaftsleistung hatte dann jeder einzelne
die Freiheit und das Recht, mit seinen spielerischen
Fähigkeiten
und Fertigkeiten entsprechend aufzutrumpfen. Nach diesem
Konzept suchte ich unsere Leute. Eine alte Fußballweisheit
hat unzählige Beispiele zur Hand, um zu beweisen,
dass aus einer Reihe der Besten selten oder gar nie ein
gutes Ensemble wird. Ausschlaggebend für ein gutes
Beginnen, einen schnellen, dauerhaften Erfolg, ist eine
Auswahl und Zusammenstellung von Spielern, die entweder
von gleicher oder ähnlicher Art sind oder sich gegenseitig
ergänzen, kurz und gut, eben zueinander passen.
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Im
Vorfeld der WM - Schwierige Entscheidungen:
Man
traute unserer Mannschaft in jenen Tagen im Hinblick
auf die kommenden Ereignisse der WM nicht allzu viel
zu. Entsprechend der Einschätzung waren auch die
Prognosen. Hinweise, Denken und Ermahnungen, sachlich
mehr oder weniger zu begründende, sicherlich aber
immer gut gemeinte Vorschläge häuften sich
auf meinem Schreibtisch. Meist drehte sich alles um das
eine Thema: die beste Mannschaft in der besten Aufstellung...
Auf einen Nenner gebracht, fanden sich alle Vorstellungen,
Wünsche und Forderungen
in den Fragen: „Warum nicht dieser an der Stelle
von jenem, und warum gerade dieser und jener wiederum nicht?“
Ich
war auf jeden Fall [...] immer glücklich und höchstzufrieden,
wenn ich einen Spielerkreis von 15-16 Mann um mich hatte,
jeder einzelne zum Zeitpunkt der fälligen Aufgaben
top-fit und alle zu einer spielstarken Mannschaft zusammengewachsen.
Wir hatten damals diese Mannschaft!
Fritz
Walter war ihr Spielführer und Spielmacher,
Dreh- und Angelpunkt allen Geschehens. Über die einmalige
Größe dieser Erscheinung ist schon alles gesagt
worden. So, wie schon Fritz Ceppan vor ihm, war jetzt Fritz
der ungekrönte König seiner Generation. Mit ihm
und um ihn entstand unsere Mannschaft, entwickelte sich
unser Spiel.
Albert
Pfaff, in vielem mit Fritz Walter verwandt, war er von
vornherein mein Mann. Ausgezeichnet mit hoher Spielkunst,
guter Spielübersicht, wendig und hurtig am Platz
und im Antritt, war er in seinem Verein eine überragende
Spielerpersönlichkeit...
Zwei erstklassige Spieler sind aber noch lange nicht auch
ein erstklassiges Paar...
So
konnte ich mich nicht dazu durchringen, Fritz und Alfredo
nebeneinander zu stellen. So kam es, dass Alfredo Pfaff,
auch ein erstklassiger Mann, im zweiten Glied stand,
hinter Fritz Walter. Wäre Fritz nicht gewesen, hätte
an seiner Stelle Alfred Pfaff eine führende Rolle
gespielt...
Im
Zuge der Vorbereitung auf die WM musste rechtzeitig an
alle Fälle gedacht und vorgesorgt werden.
Bei einem Ausfall von Fritz wäre Alfred an dessen
Stelle getreten.
Die
Position des Halbrechten [...] war mit Max Morlock in
Beschlag gelegt... Technisch auf das Beste gerüstet,
von dynamischer Kraft, ein unverdrossener Kämpfer,
war er so recht das Gegenstück von Fritz (und Alfredo)
und die allerbeste Ergänzung zu diesen beiden. Ihn
konnte so schnell nichts aus der Ruhe bringen...“Wenn’s
schwer fällt, dann erst recht!“ war seine Parole.
Solche Kämpfernaturen braucht unser Spiel. Ein Leitsatz
aus der Wettkampferfahrung lehrt uns, dass im Wettkampf
der Besten nur der zum Spiele kommt, der kämpfen will
und kämpfen kann. Max war so einer!
...Seine
persönliche Ausstrahlung, seine Unverdrossenheit,
seine Tatkraft, sein Elan belebten auf seine Art unser
Spiel, trieb alle an, riss jeden mit...Fritz und Max waren
ein bestens aufeinander eingestimmtes, großartig
harmonisierendes Mittelfeldgespann, zu dem sich Fritz gegebenenfalls
noch Horst Eckel als Dritten im Bunde heranholt und einsetzt.
Unsere
Aussenspieler: Eine scharfe Rivalität
gab es in der Frage der Besetzung der Aussenstürmerposten.
Mit Richard Hermann, Berni Kloth, Helmuth Rahn, alle drei
beidfüssig stark und auf beiden Flügeln zu Dutzenden
von Malen erfolgreich bewährt, enthoben sie mich von
vornherein aller Sorgen um die Besetzung der Flügel...
Helmuth
Rahn – was über ihn gesagt wird, gilt
in gewissem Maße auch von Hans Schäfer, seinem
Kontrahenten auf der gegenüberliegenden Seite – war
ein Individualist, ein Original von unerreichter Art. Am
Anfang unserer Bekanntschaft habe ich geglaubt und gemeint,
ihn auf die Männer in einer Umgebung und das Mannschaftsspiel
umstellen zu müssen. An Versuchen hierzu hat es wahrhaftig
nicht gefehlt. Schon sehr bald musste ich einsehen, dass
aus Helmuth Rahn kein Mannschaftsspieler zu machen war.
Seine Mentalität, sein Temperament und sein energiegeladener
Tatendrang bestimmten seine Entschlüsse und drängten
und trieben ihn auf ureigene Bahnen. Einmal am Ball sah
er nur ein Ziel: das gegnerische Tor und der kürzeste
Weg dorthin. Was dann folgte, wissen alle... Helmut war
kein Mannschaftsspieler, aber er hat auf seine Art das
Spiel oft maßgebend und entscheidend bestimmt...
Helmut Rahn war einer der Grössten unserer Nationalmannschaft
aller Zeiten.
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"Haben
Sie an die Erringung des Weltmeistertitels geglaubt?"
Später,
als alles vorbei war, und wir Weltmeister geworden waren,
wurde mir oft die Frage gestellt, ob ich an die Erringung
der Weltmeisterschaft geglaubt hätte.
Wenn mein Glaube an große Sprünge bei der WM
sich über die Bewusstseinsschwelle drängen
wollte, wurde er von vernünftigen Abwägungen
und Überlegungen schnell an die Kette gelegt.
Aber
wir waren Aussenseiter, eine Rolle, in die wir
uns zu Unrecht versetzt sahen. Welch ein glücklicher
Umstand, denn die Aussenseiterrolle ist ein Schlüssel
für die Schatzkammer unmessbarer Kräfte, die
geweckt und angeschürt Kräfte und Gewalten freimacht,
die helfen, Berge zu versetzen. Wir wussten sie zum gegebenen
Zeitpunkt anzuheizen und zu nutzen. So führte unsere
Mannschaft, als sie zu den Spielen in die Schweiz zog,
in ihrem Gepäck nicht nur alle naheliegenden und verständlichen
Wünsche, sondern auch berechtigte Hoffnungen mit sich.
Zwar waren sie alle wohlverstaut und den Blicken Fremder
entzogen, aber sie waren dabei, und sie waren berechtigt
dabei. Wir waren nämlich alle auf die anstehenden
Aufgaben auf das allerbeste vorbereitet.
Wenn
vorstehend von unserem GLAUBEN, HOFFEN und WÜNSCHEN
gesprochen wurde, so soll jetzt von unserem WOLLEN die
Rede sein,
Und
zu diesem Thema kann ich gleich mit ganz konkreten und
präzisen Angaben auftischen: Wir wollten — und
das mit allen Kräften — unter den Siegern im
Achtelfinale und damit unter den letzten Acht des Turniers
sein...
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Motivationsschreiben
an die Spieler im Vorfeld
An
Ottmar Walter: "...Denken Sie
daran, dass es gilt, zum Sommer in Höchstform zu
sein. Sie wissen Bescheid!“
An
Hans Schäfer: "Sie wissen, dass
Sie zum Stamm unserer Mannschaft zählen. Daran ändern
auch gelegentlich Formschwankungen nicht, vor der im übrigen
keiner verschont bleibt. Ich rechne stark mit Ihnen, Hans...!"
An
Fritz Walter: "...Wenn Sie weiterhin so trainieren
und so leben wie bisher und wenn Sie vor allen Dingen an
sich glauben, dann, Fritz, gibt es keinen auf der weiten
Fußballwelt, der Ihnen das Wasser reichen kann.“
An
Toni Turek: "Es
geht bei Ihnen um die Erhaltung der besten Kondition
und auch darum, zum richtigen Zeitpunkt in bester Spielform
zu sein.“
An
Horst Eckel: "Die Klasse einer
Mannschaft hängt
im hohem Maße von der Fähigkeit der Aussenläufer
ab, zu decken, zu zerstören und aufzubauen. [...]
Also Horst, üben und wiederum üben macht den
Meister!“
An
Josef Posipal: “Jupp, Ihnen brauche
ich keinen Zusatz zu machen, wie ich es bei einigen unserer
Spieler tat. Sie wissen, was Sie zu tun und zu lassen
haben, um in beste Form zu kommen und zu bleiben, so
wie ich von Ihnen weiss, dass ich mich auf Sie verlassen
kann.“
An
Helmut Rahn: “Helmut, Dribbeln
und Alleingänge
sind hervorragende Mittel eines erfolgreichen Angriffsspiels.
Aber ebenso, oder oft noch höher steht das Zusammenspiel
im Kurs. Denken Sie daran und üben Sie sich darin.
Dann sind Sie mein Mann und auf dem besten Wege ein Spieler
von grosser Klasse zu werden! Helmut, also, schau
Dich um, spiele ab und lauf Dich frei!“
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Wie
ist Herberger mit der Kritik während der WM umgegangen?
Während der WM hagelte es Kritik, vor allen Dingen nach
der kalkulierten Niederlage gegen Ungarn. Wer denkt, der
Ton wäre damals ein anderer gewesen als heute, täuscht
sich gewaltig.
"Herberger!
Sie sind ein Lump und ein Betrüger. Sie gehören hinter
Schwedische Gardinen!" war noch einer der harmlosesten
Briefe. Ihm wurde geraten, er solle sich selber
aufhängen. Er wurde als Idiot beschimpft, der besser
verschwinden solle.
Herberger:
Ich möchte wiederum mit keinem tauschen. Ist es
nicht das größte Glück, das ein Mensch
auf der Erde finden kann, einer Mannschaft vorzustehen,
die sich einer Sache so mit Herz und Verstand verschrieben
hat, die an einen unverzagt glaubt und die zusammen durch
dick und dünn geht, in der jeder stolz darauf ist,
der Mannschaft anzugehören, in der jeder unablässig
an sich arbeitet, um sein Können zu verbessern und
seine Leistung zu steigern, jeder dem Ganzen dient...?
"Möchten
Sie selbst in Herbergers Haut stecken?", wurde kürzlich
wieder einmal gefragt. Ich möchte mit keinem tauschen!
Es gibt keine schönere Aufgabe und kein größeres
Glück!
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Weisheiten
und Sprüche :
Antwort
auf diverse Verbesserungsvorschläge: „Ich weiß,
dass es in Deutschland Hunderttausende von Bundestrainern
gibt, aber ich stehe als einziger auf der Gehaltsliste
des DFB.“
Frage: "Was
hat Ihnen am besten am Spiel gefallen?"
Anwort Herberger: "Vor allem das Ergebnis."
"Es
gibt nur eine Nationalhymne, die zweimal gespielt wird.
Sorgt dafür, dass es unsere ist."
Und nicht vergessen:
„Der
Ball hat immer die beste Kondition.“
„Das nächste
Spiel ist immer das Schwerste.“
„Das
Spiel dauert 90 Minuten.“
"Nach
dem Spiel ist vor dem Spiel."
"Der
Ball ist rund."
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Die
Anfänge: Der Spieler Sepp Herberger
Am 28.03.1897
kommt der kleine Sepp Herberger um 9:45 Uhr in der Mannheimer
„Spiegelsiedlung“ als Nachzügler zur Welt.
Seine Zukunft scheint unter keinem guten Stern zu stehen:
Als Kind wird er zwar von seinen wesentlich älteren Schwestern
verwöhnt und auch sein Vater ist ihm sehr zugetan, doch
die Arbeiterfamilie gehört zu den Ärmsten.
So sieht es für seinen großen Traum, dem Fußballspielen,
zunächst schlecht aus. Noch dazu wird das Kicken, das
zu diesem Zeitpunkt ausschließlich der reichen Bürgerschicht
vorbehalten ist, von vielen als „neumodische Engländerei“
(der seltsame neue Sport kam aus England) abgelehnt oder gar
als kriminelle Brutstätte kritisch beäugt.
Erst 1907 wird das Verbot, an Schulen Fußball zu spielen,
aufgehoben. Doch der kleine Seppl, wie er von allen genannt
wird, kann, wie so viele Kinder nach ihm, dem Kicken einfach
nicht widerstehen. Enorm einfallsreich findet er trotz des
Verbots seiner Eltern, Mittel und Wege, es doch zu tun. Deshalb
musste auch das erste Kapitel unseres Buches davon handeln.
Für uns ist seine ursprüngliche Begeisterung für
das Kicken, die tiefe Freude dabei und die Fähigkeit,
schon früh alle Hindernisse zu überwinden, die Triebfeder
seines Erfolges.
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Die
Sterne: Herbergers Anlagen aus astrologischer Sicht
Ein kurzer
Blick in die Sterne attestiert dem kleinen, durchsetzungsfähigen
Widder
1) Als
Grundanlage: Intelligenz, Ideenreichtum und rhetorische Begabungen.
2) Dynamik, Aggression, Kraft, Ehrgeiz und Vorliebe für
Sport.
3) Spürsinn und Gefühl, Neigung zur Anlage eiserner
Reserven.
4) Fähigkeit zu harter Arbeit, Geschick und Tüchtigkeit.
6) Ungewöhnliche Arbeitsmethoden, technischer Einfallsreichtum
und Freiheitsdrang.
7) Eine glückliche Hand bei der Partnerwahl.
8) Organisationstalent, strategische Berufsplanung und politischen
Scharfsinn.
So scheint es kein Wunder zu sein, dass ihn nichts aufhalten
kann. Schon Anfang der zwanziger Jahre kann Herberger als
Teil des damals legendären „Drei-H-Sturmes“,
bestehend aus Herberger, Höger und Hutter, für den
SV Waldhof erste Erfolge verbuchen. Die drei Spieler prägen
mit ihrem brillianten Kombinationsspiel den Begriff „Waldhof-Schule“.
Ausschnitt
aus einem Zeitungsartikel von 1920:
"Sportverein 1907 Waldhof – V.f.B. Heidelberg
9:1
Ein schönes Verbandsspiel lieferten sich obige Gegner
auf dem Waldhofplatz, fair vom Anfang bis zum Schluss, das
von einer stattlichen Zuschauermenge mit Verständnis
und Spannung verfolgt wurde. Waldhof zeigt durchwegs große
Überlegenheit, was auch durch das Torverhältnis
zum Ausdruck kam.
Nur der aufopfernden Verteidigung Heidelbergs ist es zu verdanken,
dass sich die Torzahl nicht noch erhöhte. (...)
Nach dem Anspiel Waldhofes erzielt Heidelberg den ersten Eckball,
der jedoch nichts einbrachte. Zunächst bleibt das Spiel
etwas offen. Nach dem Durchbruch setzt Hutter einen scharfen
Schuss an die Latten. Der Nachschuss führt zum Treffer.
In der 25. Minute ist es wiederum Hutter, welcher in schöner
Einzelleistung durch Überlaufen der Verteidigung Nr.
2 bucht. Heidelberg gibt sich alle Mühe, ein Gegentor
zu buchen, doch die sicher arbeitende Verteidigung macht alles
zunichte. Bei einem schön angeführten Angriff der
Stürmerreihe kann Herberger einen seiner flachen Schüsse
zum dritten Tor anbringen (...). Mit 4:0 für Waldhof
geht es in die Pause..."
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Die
Berufsspieler-Affäre:
Alle Zeichen scheinen auf Sieg zu stehen, doch dann wird Herberger
in die „Berufsspieler-Affäre“ verwickelt: Er
wechselt den Verein und nimmt dafür Geld. Was heute übliche
Praxis ist, ist 1921 verboten - ihm droht eine mehrjährige
Sperre. Zu den Hintergründen findet sich in seinen Unterlagen
folgende Notiz: "Wie
ich zum Phönix-Mannheim kam:
Eines schönen Tages holte mich Karl Höger zusammen
mit einem Herrn von der Arbeitsstelle ab. Er entpuppte sich
als ein Mitglied von Mannheim Phönix. Es ging um meinen
Übertritt zum Phönix. (...) Ich hatte keine Lust,
ohne ernsten Grund meinen Verein zu verlassen, wo ich immerhin
groß geworden und große Erfolge errungen hatte.
Ich war Waldhöfer.
Ich nannte, was mich bewegen könnte, meinen Verein zu
wechseln. Mit großer Beredsamkeit ging man auf meine
Wünsche ein. Dazu noch ein Angebot von 10.000,- Mark,
das mir schmeichelte. Dann folgten am Abend Besprechungen
mit maßgebenden Herren, die hochangesehene Leute waren
und die auch, wie es schien, nachweisbar grosse führende
Positionen in der Wirtschaft inne hatten.
Was mir am Wichtigsten war: man gab an, gute Beziehungen zu
Karlsruhe und der dortigen Hochschul Sportschule zu haben
und war sicher, meine Wünsche in dieser Richtung zu erfüllen.
Die Ev, mein guter Geist. Als ich mit 10.000,- Mark nach Hause
kam, war meine Frau keineswegs begeistert. Gewiss, wir waren
jung verheiratet und solche Summen hätten wir recht gut
gebrauchen können. Aber sie hatte Bedenken und mir war
auf einmal nicht recht wohl in meiner Haut. Die mir gemachten
Zusagen hinsichtlich meines beruflichen Weiterkommens schienen
mir auf einmal auch nicht recht glaubhaft. Wer kann schon
10.000,-Mark nicht gebrauchen.
Das Ende vom Lied, das so verheißungsvoll begonnen hatte:
Ich gab die Summe nach Tagen wieder zurück..."
Obwohl
Herberger das Geld zurückgibt, hat das Ganze ein böses
Nachspiel: Wegen Verstoßes gegen den “Amateur-Paragraphen“
wird ihm das „Recht als Amateur“ abgesprochen
und eine einjährige Sperre verhängt. Seine große
Hoffnung, ein „tüchtiger, gründlich ausgebildeter
Fußballehrer“ zu werden, gibt er trotzdem nicht
auf und wechselt letztendlich zum VfR Mannheim. Denn dort
erwartete ihn ein ganz besonderer Trainer: Otto Nerz!
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Otto
Nerz:
Herberger
notiert: "Nerz kannte ich flüchtig. In einem Spiel
Waldhof-VfR war er mein Gegenspieler gewesen. Er war von Beruf
Schullehrer. Das hatte ich mir schon damals gemerkt, weil
ich einen Mann sah, der mir vielleicht weiterhelfen könnte.
Jetzt war er mein Trainer. Bald kannten wir uns gut und hatten
engsten Kontakt zueinander. Für Nerz war die Tätigkeit
als Fußballehrer auch Neuland. Wir waren beide Besessene.(...)"
An dieser
Stelle kreuzen sich die Wege zweier Männer, die Fußballgeschichte
schreiben sollen: Otto Nerz wird später der erste hauptverantwortliche
DFB-Trainer, Sepp Herberger sein Schüler. Dank einer
Ausnahmeregelung wird Sepp Herberger trotz Volksschulabschlusses
1927zum Studium an der "Deutschen Hochschule für
Leibesübungen" in Berlin zugelassen und erhält
als Jahrgangsbester nach sechs Semestern als Erster die August-Bier-Plakette.
Jetzt steht seinem Wunsch, selbst Trainer zu werden, nichts
mehr im Weg. Mit Otto Nerz als Mentor wird er erst Verbands-Sportlehrer
beim "Westdeutschen Spielverband" in Duisburg und
arbeitet gleichzeitig als Nerz' Assistent.
Es ist Nerz zu verdanken, dass 1934 in Deutschland das damals
neue WM-System eingeführt wurde und Deutschland gleich
bei seiner ersten Teilnahme an einer Fußballweltmeisterschaft
einen überraschenden dritten Platz belegt.
Herberger über Nerz:
„Ich konnte viel von ihm - den geschulten Lehrer - lernen;
er auch von mir, und wollte dies auch, was mir bestätigte,
dass ich vieles gut gemacht hatte. Er kam von der Kraft, ich
vom Spiel zum Trainingsprogramm. Er hat mir manches Wissenswerte
gegeben, er ging aber auch von mir aus nicht leer aus. Das
gab er auch zu, was mir eine Bestätigung der Richtigkeit
des von mir – ohne jede Hilfe – gefundenen und
eingeschlagenen Weges war. Viel später sollte ich dann
erkennen, dass man von Otto Nerz nicht nur viel lernte, wie
man es machen könnte, aber ebenso, wie es falsch zu machen
war...“
1936 löst Herberger Nerz als Reichstrainer ab.
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Herberger
und die WM 1954 unter Doping-Verdacht:
Natürlich
sind auch wir bei der Recherche auf die von Puskás
nach der WM geäußerten Doping-Vorwürfe gestoßen.
Und natürlich haben auch wir lange und ausgiebig diskutiert,
für wie glaubwürdig wir diese Vorwürfe halten.
Schließlich hing für uns davon ab, welche Geschichte
wir erzählen.
Denn was da im Moment als größte Neuigkeit verkauft
wird, hat so gar nichts Neues oder Aufsehenerregendes, ist
vielmehr ein Abklatsch der Diskussion, die schon vor 50 Jahren
stattgefunden hat. Und seitdem taucht das „Märchen
vom Doping“ (Zeitungstitel von 1964) mit schöner
Regelmäßigkeit immer wieder auf, wenn an der WM
1954 etwas Reißerisches gefunden werden soll.
Aber zu den Tatsachen: Nach der WM erzählt Puskás
gegenüber einer französischen Zeitung, was er in
der deutschen Kabine beobachtet haben will und was für
ihn, den Verlierer, erklärt, warum die deutschen Außenseiter
überhaupt so weit kommen konnten. (Heute ist es der Platzwart,
der damit sein Gewissen erleichtern will, wie er einem Redakteur
der Bildzeitung verrät.)
In der Kabine der deutschen Spieler wurden leere Ampullen
gefunden, die den Verdacht des Dopings nahelegten. Doch tatsächlich
wurde während der WM vereinzelt nur Traubenzucker und
Vitamine verabreicht, was vom DFB nie verheimlicht wurde und
was damals auch völlig legitim war. Die ersten Doping-Regeln
wurden erst 1967 aufgestellt.
Kurze Zeit nach der WM erkrankt ein Großteil der Helden
von Bern an Gelbsucht und es werden Leberschäden diagnostiziert.
Und schon branden die Wellen hoch. Was war die Ursache für
diese Gelbsucht? Wie ist sie übertragen worden? Waren
die Traubenzucker- oder Vitaminspritzen, die die Spieler zur
Stärkung erhalten haben, nicht hinreichend steril? War
in den Spritzen womöglich doch etwas anderes als Traubenzucker
oder Vitamin C? Der behandelnde Arzt hatte nur 2 Spritzen
zur Verfügung. Es erscheint nur logisch, darin und in
der nicht ausreichenden Sterilisation die Ursache für
die Übertragung zu suchen. Aber wie konnte das passieren?
Bis 1942 war das Hepatitisvirus noch gar nicht bekannt. Auch
die Übertragungsmöglichkeit durch Einspritzungen
war unbekannt.
Auf diese Art sind noch in den vierziger Jahren Tausende an
Hepatitisfällen verursacht worden. Das Virus ist so widerstandsfähig,
dass es ein Abkochen der Spritzen von wenigen Minuten (wie
es während der WM geschehen ist) unbeschadet übersteht
und die Spritzen damals z.B. bei 180° Trockenhitze hätten
sterilisiert werden müssen. Auch waren die Helden gesundheitlich
angeschlagen: Rahn hatte eine eitrige Mandelentzündung,
Morlock eine fiebrige Erkältung, Fritz Walter hatte sich
vor Eintreten der Symptome die Mandeln entfernen lassen, mal
ganz abgesehen von den physischen und psychischen Anstrengungen
der WM und den körperlichen Schäden, die durch den
Krieg verursacht wurden. Es erscheint heute seltsam, dass
1954 noch nicht überall bekannt gewesen sein soll, dass
die Spritzen anders hätten desinfiziert werden müssen.
Genauso seltsam klingt aber heute die Anweisung an die Spieler,
vor Spielen so wenig Flüssigkeit wie möglich aufzunehmen
- aus heutiger Sicht kompletter Unsinn. Wenn man es so betrachtet,
hat die ganze Geschichte wenig Mysteriöses. Sie ist vielmehr
traurig oder tragisch. Genauso tragisch ist es, die Spieler
immer wieder damit zu konfrontieren. Was soll damit erreicht
werden? Wahrscheinlich geht es doch nur wieder darum, sie
vorzuführen, zu Figuren in einer inszenierten Mediengeschichte
zu machen, anstatt Respekt zu zollen und zu fragen, was sie
uns zu sagen haben. Vermutlich ist das aber einfach „zu
nett“.
Bis heute sind für den Doping-Verdacht keine stichhaltigen
Beweis gefunden worden. Nach einem Jahr Recherche und Durchforsten
sämtlicher Unterlagen im Archiv, inklusive Material zu
den Gelbsuchtfällen, ist für uns ein Doping weder
bewiesen noch glaubwürdig. Es passt weder zu dem Herberger-Bild,
das sich für uns in der Recherche erschlossen hat, noch
zu den Spielern. Aber wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.
Oder wie mir ein ebenfalls recherchierender Journalist mit
einem Lächeln mitgeteilt hat: Diese Friede-Freude-Mythos-Sache,
das sei doch eigentlich uninteressant. Das könne man
nicht so stehen lassen. Man werde sich da schon was einfallen
lassen. Und schon damals haben wir vermutet, dass das Doping-Märchen
noch mal hervorgezerrt wird. Ein eigentlich ziemlich durchsichtiges
Manöver. Es kann und darf so großartig einfach
nicht gewesen sein.
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Herberger,
der Übervater:
Der besondere Einfluss Herbergers auf seine Spieler wird oft
mit seiner Autorität begründet. Seinen Anweisungen
wurde blind Folge geleistet, ohne Diskussionen. Davon können
vermutlich die Trainer heute nur wehmütig träumen.
Er sei einfach ein "Feldwebel" gewesen oder, wie
er selber lächelnd zugab, ein Tyrann, wenn auch ein sanfter.
Doch der wirkliche Grund für den tiefen Respekt, den
die Spieler ihm zollten, liegt für uns in ihrem Vertrauen
zu ihm.
Herberger war über die Jahre hinweg, wie vermutlich kein
anderer Trainer jemals vor oder nach seiner Zeit, für
seine Spieler zugleich auch Vaterfigur. Er kümmerte sich
nicht nur um die physische Konstitution der Spieler, sondern
hatte auch für deren Sorgen, Ängste und Probleme
stets ein offenes Ohr. Er wusste immer, wie es um jeden Einzelnen
bestellt war, kannte deren Stärken und Schwächen,
für die er, wenn es sein musste, mehr als nur einmal
ein Auge zudrückte und gleichzeitig signalisierte, dass
es bei diesem Fehltritt auch wirklich bleiben mußte.
Als
1939 der Krieg ausbrach, war Herberger ein nervliches Wrack.
Für ihn zählte nur der Gedanke, wie er seine Männer
schützen konnte, vor allem dann, als er hörte, dass
Einzelne seiner Mannschaft an der Front bereits gefallen waren.
Kurzerhand besorgte er sich alle nötigen Informationen
über den Verbleib seiner Spieler, damit er mit ihnen
in regelmäßigem Kontakt bleiben konnte. Er organisierte
Lehrgänge, ließ seine Jungs sogar auf der Kinoleinwand
im Film „das große Spiel“ mit Gustav Knuth
und René Deltgen erscheinen, nur damit sie vor dem
Einsatz an der Front verschont blieben. Aber es half nicht
viel, mussten sie doch immer wieder zurück, um für
Volk und Vaterland zu kämpfen, so, wie alle anderen auch.
Dann tat Herberger etwas, was ihn vermutlich ebenfalls von
den heutigen Trainern unterscheidet: Um seine Spieler vom
Fronteinsatz zu befreien, riskierte er einiges. Er erfand
für seine Spieler einfach Verdienstorden und holte sie
damit von der Front zurück. (In Kriegszeiten konnten
Sportler durchaus für Wettkämpfe vom Fronteinsatz
befreit werden, allerdings nur, wenn sie sich besonders verdient
gemacht hatten, was sich durch verliehene Orden bemerkbar
gemacht hatte.) Wäre der Schwindel aufgeflogen, hätte
es drastische Folgen für Herberger persönlich haben
können. Doch der Coup gelang. Nach und nach trudelte
die ganze Mannschaft ein.
Der nachfolgende
Brief steht stellvertretend für einen ganzen Ordner voller
"Betreuungspost", die sich in seinem Nachlass befindet:
Ein Brief an Andreas Kupfer (3. Juli 1944):
"Lieber Anderl, heute früh erhielt ich Ihren schon
so lange Zeit erwarteten Brief. Ich habe Ihnen in letzter
Zeit mehrere Briefe geschrieben, jedoch ohne Antwort von Ihnen
zu bekommen. War es ein Wunder, dass ich mir Sorgen um Sie
machte? Ich hatte gehofft, Dass Sie nach Ihrer Verwundung
längere Zeit in Deutschland bleiben würden und für
diesen Fall auch schon die Fühler ausgestreckt, um für
Sie einen längeren Aufenthalt in der Heimat zu erreichen.
Wo stecken Sie denn? Lagen Sie in einem Lazarett? Welcher
Art war denn Ihre Verwundung? Schreiben Sie mir doch einmal
über alle diese Fragen.
Ich freue mich, dass Sie Gelegenheit haben, sich fußballerisch
zu betätigen. Halten Sie sich nur in Schwung, Anderl,
eines schönen Tages werden wir doch wieder aufgerufen
und dass ich dann an Sie zuerst denken werde, brauche ich
Ihnen nicht noch extra zu sagen.
[...] Also Anderl, ich warte auf Ihren Brief. Lassen Sie es
sich gut gehen, soweit dies unter den gegebenen Umständen
und Verhältnissen überhaupt möglich ist. [...]
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